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Nistkästen putzen im Herbst: warum ich damit bis Oktober warte

Wann die Nistkästen sauber gemacht werden sollten, wie ich dabei vorgehe und was alte Nester über ihre Bewohner verraten.

Vor ein paar Jahren stand ich Mitte September mit Leiter und Eimer im Garten und wollte alle Kästen auf einmal erledigen. Beim dritten Kasten unter dem Dachvorsprung habe ich den Deckel schnell wieder zugemacht. Das Nest darin war frisch, die Spatzen hatten dort offenbar noch eine späte Brut aufgezogen. Seitdem gilt bei mir eine einfache Regel: Der Herbstputz an den Nistkästen ist eine Aufgabe für Oktober.

Warum nicht gleich nach der Brutzeit

Bei Kohl- und Blaumeise ist die Sache im Hochsommer meist durch. Haussperlinge dagegen brüten mehrmals im Jahr und sind teilweise bis in den Spätsommer mit Jungvögeln beschäftigt. Wer im September zu früh öffnet, stört im ungünstigen Fall noch eine Familie.

Umgekehrt sollte man auch nicht bis in den Winter warten. Viele Kästen werden in der kalten Jahreszeit als Schlafplatz genutzt, von Meisen genauso wie vom Zaunkönig. Ein Kasten, der Mitte Oktober gereinigt wurde, hat bis dahin wieder seine Ruhe. Wer erst im Dezember mit der Bürste kommt, scheucht die Übernachtungsgäste auf.

So gehe ich beim Putzen vor

Das Ganze dauert pro Kasten nur ein paar Minuten, wenn man sich einmal eine Routine angewöhnt hat. Meine sieht so aus:

  • Handschuhe an, bei alten Kästen auch eine einfache Staubmaske. Altes Nistmaterial steckt voller Staub, Milben und Vogelflöhe.
  • Das alte Nest komplett herausnehmen und mit dem Hausmüll entsorgen, nicht direkt unter dem Kasten auf den Boden werfen.
  • Innen mit einer harten Bürste ausfegen. Wasser nehme ich nur bei starker Verschmutzung, und dann nur heißes Wasser ohne Putzmittel.
  • Den Kasten offen stehen lassen, bis er innen richtig trocken ist.
  • Die Aufhängung prüfen. Draht, der langsam in die Rinde einwächst, wird gelockert oder durch eine baumschonende Lösung ersetzt.
  • Das Einflugloch ansehen. Ausgefranste, vergrößerte Ränder deuten auf einen Buntspecht oder ein Eichhörnchen hin. Ein Blechring um das Loch hilft dagegen.

Ab und zu findet man statt eines Vogelnests ein altes Wespennest. Im Oktober ist das in aller Regel verlassen. Wespen bauen jedes Jahr neu, das alte Nest kann also entfernt werden.

Was die alten Nester verraten

Das Schönste am Herbstputz ist für mich der Blick ins Nest, bevor es im Müll landet. Meisen bauen einen Unterbau aus Moos und polstern die Mulde mit Tierhaaren, Wolle oder Federn. Spatzennester sind dagegen eher ein wildes Durcheinander aus Halmen, Federn und allem, was sich finden ließ, gelegentlich auch Plastikfetzen. Beim Kleiber erkennt man den Bewohner schon von außen, weil er das Einflugloch mit Lehm auf seine Größe zumauert, innen liegen oft flache Rindenstückchen.

Ich trage in mein Beobachtungsheft ein, welcher Kasten von wem belegt war. Über die Jahre sieht man so recht gut, welche Standorte beliebt sind und welche Kästen ihr Dasein als reine Gartendekoration fristen. Letztere hänge ich im Herbst um. Das ist ohnehin ein guter Zeitpunkt für neue Kästen, denn die Vögel haben den ganzen Winter Zeit, sich an sie zu gewöhnen, bevor im Frühjahr die Wohnungssuche losgeht.

Ein letzter Hinweis für alle, die den Kasten gleich wieder befüllen wollen: Bitte kein Heu, keine Watte und kein Stroh hineinlegen. Die Vögel bringen ihr Material selbst mit, und feuchtes Füllmaterial schimmelt über den Winter eher, als dass es jemandem hilft.

Von Klaus Reinhardt

Hobby-Ornithologe aus Linkenheim-Hochstetten. Beobachte seit über 20 Jahren Vögel in der Region, früher regelmäßiger Gast im alten Vogelpark Linkenheim.

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