Kategorien
Naturschutz

Naturschutz vor der Haustür: Wie wir Vögeln in Linkenheim helfen können

Im letzten Beitrag ging es um Maßnahmen im eigenen Garten. Aber Naturschutz hört ja nicht am Gartenzaun auf. Wer in Linkenheim oder Hochstetten wohnt, kann auch im weiteren Umfeld einiges für die Vogelwelt tun. Manches kostet nichts, manches braucht ein bisschen Geduld, aber alles zusammen macht den Unterschied. Ich versuche hier zu sortieren, was ich aus eigener Erfahrung empfehlen würde.

Streuobstwiese am Rand von Linkenheim-Hochstetten
Streuobstwiese am Ortsrand, einer der wertvollsten Lebensräume für Vögel in der Region.

Mitmachen beim NABU oder LBV vor Ort

Das ist die naheliegende Empfehlung. Die NABU-Ortsgruppen in der Region machen Bestandserfassungen, Pflegeeinsätze auf Streuobstwiesen, Vorträge für Schulen und vieles mehr. Wer regelmäßig mitmacht, lernt nebenbei eine Menge über lokale Bestände und Methoden. Auch wer nur einmal im Jahr einen halben Tag bei einer Hecken-Pflegeaktion mithilft, trägt etwas bei. Ihr braucht keine Ausbildung, ihr braucht nur Schuhe, die schmutzig werden dürfen.

Stunde der Gartenvögel im Mai

Diese deutschlandweite Zählaktion vom NABU findet jedes Jahr im Mai statt. Eine Stunde im Garten oder Park sitzen, alle Vögel zählen, online eintragen. Klingt banal, aber die Daten sind wertvoll, weil sie über Jahre eine Trendkurve geben. Ich mache da seit etwa fünfzehn Jahren mit und sehe in meinen eigenen Zahlen klar, dass bestimmte Arten zurückgehen und andere stabil bleiben. Wer das mit Familie macht, hat einen schönen Vormittag und ist dabei Teil eines bundesweiten Monitorings.

Streuobstwiesen erhalten

Streuobstwiesen rund um die Gemeinde sind der wertvollste Lebensraum, den wir für Vögel haben. Gartenrotschwanz, Wendehals, Wiedehopf, Steinkauz, Grauspecht, das alles hängt mehr oder weniger direkt an Streuobst. In den letzten dreißig Jahren ist sehr viel von dieser Fläche verloren gegangen, und das, was bleibt, braucht aktive Pflege. Wer einen alten Hochstammbaum in seinem Garten hat, sollte ihn nicht fällen, auch wenn er nur noch wenig Ertrag bringt. Und wer einen pflanzen kann, sollte das tun, das hilft auf lange Sicht enorm.

Wer keinen Platz hat, kann gelegentlich Streuobst-Pflegeaktionen der Ortsgruppen unterstützen. Die suchen meistens Helfer für Baumschnitt im Spätwinter und für Mahd im Sommer.

Gegen das Sterben hinter Glasscheiben

Vogelschlag an Fensterscheiben ist ein riesiges Problem, das oft unterschätzt wird. Schätzungen gehen davon aus, dass deutschlandweit jährlich über 100 Millionen Vögel an Glas sterben. Wer große Fensterflächen oder Wintergärten hat, sollte einfache Maßnahmen prüfen. Streifen-Aufkleber außen, mattierte Folien, abgehängte Schnüre. Innen angebrachte Aufkleber bringen wenig, weil sie sich gegen den Innenraum nicht abheben. Es muss außen sein.

Katzenschutz

Heikles Thema, weil viele Leute Katzenbesitzer sind. Aber Katzen erbeuten in Deutschland jedes Jahr zwischen 100 und 200 Millionen Vögel. Wer seine Katze besonders nachts und im Spätfrühling, wenn die flügellosen Jungvögel im Gras sitzen, ein paar Wochen im Haus lässt, trägt erheblich zum Schutz bei. Ein Glockenbändchen am Halsband hilft auch ein bisschen, ist aber weniger wirksam als angenommen. Ich rede ungern darüber, weil es bei vielen sofort emotional wird. Trotzdem gehört es zur Wahrheit dazu.

Beobachtungsdaten weitergeben

Plattformen wie Ornitho.de oder die NABU-Apps sind unspektakulär, aber wichtig. Wer regelmäßig dort Sichtungen einträgt, trägt zum bundesweiten Monitoring bei, das dann wiederum politische Forderungen begründet. Die Daten, die in den letzten zehn Jahren zum Rückgang von Feldvögeln zusammengetragen wurden, stammen zum großen Teil aus genau solchen Ehrenamtler-Beobachtungen.

Mein Fazit

Die einzelne Aktion erscheint immer klein. Aber wenn in Linkenheim und Hochstetten jeder zweite Garten eine Wasserstelle hat, jede zweite Hecke heimische Arten enthält und jeder dritte Haushalt sich an der Stunde der Gartenvögel beteiligt, dann macht das in Summe einen sehr realen Unterschied. Naturschutz vor der Haustür ist die einzige Form von Naturschutz, die wirklich skaliert, weil sie nicht von einzelnen Helden abhängt, sondern von vielen kleinen Beiträgen.

Wenn ihr Lust habt mitzumachen, schreibt mir, ich vermittele euch gern an die richtigen Ansprechpartner vor Ort.

Lokale Politik mitgestalten

Was viele Hobby-Beobachter unterschätzen, ist der Einfluss kommunaler Entscheidungen auf die lokale Vogelwelt. Bebauungspläne, Mahd-Zyklen kommunaler Flächen, Pflege der Streuobstwiesen, Beleuchtung an Wegen, all das wird im Gemeinderat entschieden. Wer regelmäßig zu Gemeinderatssitzungen geht, Anträge der NABU-Ortsgruppe begleitet und in der Bürgerfragestunde Punkte einbringt, hat über die Jahre messbaren Einfluss. Das ist mühsam und unspektakulär, aber wirksam.

In Linkenheim-Hochstetten ist die Bereitschaft der Verwaltung, sich auf solche Anliegen einzulassen, nach meiner Erfahrung grundsätzlich da. Es braucht aber konkrete, gut vorbereitete Vorschläge. Pauschale Forderungen verpuffen, präzise Vorschläge mit Karte, geschätzten Kosten und einer NABU-Empfehlung im Hintergrund werden meist sachlich diskutiert.

Bildungsangebote für Kinder

Ein Punkt, der mir persönlich am Herzen liegt, sind Bildungsangebote für Schulkinder. Wer einmal in der zweiten Klasse mit einer Lehrerin einen Vormittag am Rhein verbracht hat, erinnert sich daran sein Leben lang. Solche Angebote macht der NABU oft, aber sie sind unterbesucht, weil Schulen unter Zeitdruck stehen und Lehrkräfte den Anschluss zur Naturkunde nicht immer pflegen.

Wer Kontakte zu Schulen vor Ort hat, kann hier Vermittler sein. Eine konkrete Anfrage an die Schulleitung mit einem fertigen Vorschlag wirkt oft Wunder. Hier müsst ihr nicht selber Lehrer sein, ihr müsst nur die richtige Person mit der richtigen Person verbinden.

Auch nicht aktive Naturschützer einbinden

Nicht jeder hat Zeit oder Lust, sich aktiv zu engagieren, und das ist legitim. Aber jeder kann etwas Kleines beitragen, ohne Mitgliedschaft, ohne Termine. Eine Wasserstelle im Garten. Einmal pro Jahr an einer Zählaktion teilnehmen. Spenden statt nichts. Eine Solidaritätsbekundung im Gespräch mit Nachbarn. Auch das summiert sich.

Ich glaube nicht an Naturschutz, der von einer kleinen Avantgarde getragen wird, während alle anderen zuschauen. Ich glaube an breit verteilte Beiträge in vielen Haushalten, koordiniert durch wenige Aktive. Das skaliert besser, hält länger und ist ehrlich gesagt auch entspannter für alle Beteiligten.

Von Klaus Reinhardt

Hobby-Ornithologe aus Linkenheim-Hochstetten. Beobachte seit über 20 Jahren Vögel in der Region, früher regelmäßiger Gast im alten Vogelpark Linkenheim.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert