Das letzte Posting hier ist von 2024. Daran habe ich lange geknabbert. Eigentlich wollte ich nach der Schließung des Vogelparks 2021 weitermachen, hatte sogar ein paar Texte angefangen. Aber irgendwie war die Luft raus. Wenn der Park, den man jahrelang besucht hat, einfach nicht mehr existiert, dann fehlt der Anker. Ich habe das damals unterschätzt.
Eine der wenigen Stellen am alten Gelände, an denen man noch sieht, was hier mal war.
Warum jetzt wieder
Im letzten Winter habe ich angefangen, meine Beobachtungen wieder ordentlich in ein Heft zu schreiben. Datum, Uhrzeit, Art, Anzahl, Wetter. Klassisches Beobachtungstagebuch. Nach drei Monaten hatte ich ein dickes Heft voll und dachte mir, das könnte ich doch eigentlich auch wieder online stellen. Nicht weil es die Welt braucht, sondern weil ich es vermisse, mit anderen über dieses Hobby zu reden.
Die Webseite hier lag die ganze Zeit irgendwie brach. Ein Beitrag von 2024, sonst nichts. Ich habe das Gerüppel jetzt aufgeräumt, Impressum und Datenschutz neu aufgesetzt, eine Über-mich-Seite ergänzt und mich entschieden, das Ganze in Zukunft ernsthafter zu betreiben. Mindestens ein Beitrag pro Monat, eher zwei. Mehr verspreche ich nicht, das hat in der Vergangenheit nie funktioniert.
Was sich ändert
Der inhaltliche Schwerpunkt verschiebt sich. Bisher hatte ich versucht, das Thema Vogelpark als Park-Geschichte zu erzählen. Das ist erzählerisch schwierig, weil es ihn ja nicht mehr gibt. Stattdessen rückt jetzt die Beobachtung in der Region in den Mittelpunkt. Was sieht man im Garten. Was am Rhein. Was in den Streuobstwiesen rund um Linkenheim und Hochstetten. Dazu Portraits einzelner Arten, gelegentlich Erinnerungs-Beiträge an den Park, weil die mir wichtig sind und weil mich immer wieder Leute darauf ansprechen.
Es gibt auch keinen Newsletter, keine Cookie-Banner-Sammelei, keine Werbung. Wenn ich mal ein Bestimmungsbuch oder ein Fernglas empfehle, dann weil ich es selber benutzt habe. Das war früher schon so und bleibt auch so.
Was kommt in den nächsten Wochen
Beobachtungsbericht Mai 2026 mit Schwerpunkt Singvögel
Sieben häufige Gartenvögel im Vergleich
Erinnerungen an die Wellensittich-Voliere des alten Parks
Tipps zur vogelfreundlichen Gartengestaltung im Sommer
Wenn ihr selber etwas beobachtet habt, was berichtenswert ist, oder Erinnerungen an den alten Park habt, dann meldet euch gern unter [email protected]. Ich freue mich über jede Nachricht.
Und jetzt erstmal: hallo nochmal nach langer Pause.
Im letzten Beitrag ging es um Maßnahmen im eigenen Garten. Aber Naturschutz hört ja nicht am Gartenzaun auf. Wer in Linkenheim oder Hochstetten wohnt, kann auch im weiteren Umfeld einiges für die Vogelwelt tun. Manches kostet nichts, manches braucht ein bisschen Geduld, aber alles zusammen macht den Unterschied. Ich versuche hier zu sortieren, was ich aus eigener Erfahrung empfehlen würde.
Streuobstwiese am Ortsrand, einer der wertvollsten Lebensräume für Vögel in der Region.
Mitmachen beim NABU oder LBV vor Ort
Das ist die naheliegende Empfehlung. Die NABU-Ortsgruppen in der Region machen Bestandserfassungen, Pflegeeinsätze auf Streuobstwiesen, Vorträge für Schulen und vieles mehr. Wer regelmäßig mitmacht, lernt nebenbei eine Menge über lokale Bestände und Methoden. Auch wer nur einmal im Jahr einen halben Tag bei einer Hecken-Pflegeaktion mithilft, trägt etwas bei. Ihr braucht keine Ausbildung, ihr braucht nur Schuhe, die schmutzig werden dürfen.
Stunde der Gartenvögel im Mai
Diese deutschlandweite Zählaktion vom NABU findet jedes Jahr im Mai statt. Eine Stunde im Garten oder Park sitzen, alle Vögel zählen, online eintragen. Klingt banal, aber die Daten sind wertvoll, weil sie über Jahre eine Trendkurve geben. Ich mache da seit etwa fünfzehn Jahren mit und sehe in meinen eigenen Zahlen klar, dass bestimmte Arten zurückgehen und andere stabil bleiben. Wer das mit Familie macht, hat einen schönen Vormittag und ist dabei Teil eines bundesweiten Monitorings.
Streuobstwiesen erhalten
Streuobstwiesen rund um die Gemeinde sind der wertvollste Lebensraum, den wir für Vögel haben. Gartenrotschwanz, Wendehals, Wiedehopf, Steinkauz, Grauspecht, das alles hängt mehr oder weniger direkt an Streuobst. In den letzten dreißig Jahren ist sehr viel von dieser Fläche verloren gegangen, und das, was bleibt, braucht aktive Pflege. Wer einen alten Hochstammbaum in seinem Garten hat, sollte ihn nicht fällen, auch wenn er nur noch wenig Ertrag bringt. Und wer einen pflanzen kann, sollte das tun, das hilft auf lange Sicht enorm.
Wer keinen Platz hat, kann gelegentlich Streuobst-Pflegeaktionen der Ortsgruppen unterstützen. Die suchen meistens Helfer für Baumschnitt im Spätwinter und für Mahd im Sommer.
Gegen das Sterben hinter Glasscheiben
Vogelschlag an Fensterscheiben ist ein riesiges Problem, das oft unterschätzt wird. Schätzungen gehen davon aus, dass deutschlandweit jährlich über 100 Millionen Vögel an Glas sterben. Wer große Fensterflächen oder Wintergärten hat, sollte einfache Maßnahmen prüfen. Streifen-Aufkleber außen, mattierte Folien, abgehängte Schnüre. Innen angebrachte Aufkleber bringen wenig, weil sie sich gegen den Innenraum nicht abheben. Es muss außen sein.
Katzenschutz
Heikles Thema, weil viele Leute Katzenbesitzer sind. Aber Katzen erbeuten in Deutschland jedes Jahr zwischen 100 und 200 Millionen Vögel. Wer seine Katze besonders nachts und im Spätfrühling, wenn die flügellosen Jungvögel im Gras sitzen, ein paar Wochen im Haus lässt, trägt erheblich zum Schutz bei. Ein Glockenbändchen am Halsband hilft auch ein bisschen, ist aber weniger wirksam als angenommen. Ich rede ungern darüber, weil es bei vielen sofort emotional wird. Trotzdem gehört es zur Wahrheit dazu.
Beobachtungsdaten weitergeben
Plattformen wie Ornitho.de oder die NABU-Apps sind unspektakulär, aber wichtig. Wer regelmäßig dort Sichtungen einträgt, trägt zum bundesweiten Monitoring bei, das dann wiederum politische Forderungen begründet. Die Daten, die in den letzten zehn Jahren zum Rückgang von Feldvögeln zusammengetragen wurden, stammen zum großen Teil aus genau solchen Ehrenamtler-Beobachtungen.
Mein Fazit
Die einzelne Aktion erscheint immer klein. Aber wenn in Linkenheim und Hochstetten jeder zweite Garten eine Wasserstelle hat, jede zweite Hecke heimische Arten enthält und jeder dritte Haushalt sich an der Stunde der Gartenvögel beteiligt, dann macht das in Summe einen sehr realen Unterschied. Naturschutz vor der Haustür ist die einzige Form von Naturschutz, die wirklich skaliert, weil sie nicht von einzelnen Helden abhängt, sondern von vielen kleinen Beiträgen.
Wenn ihr Lust habt mitzumachen, schreibt mir, ich vermittele euch gern an die richtigen Ansprechpartner vor Ort.
Lokale Politik mitgestalten
Was viele Hobby-Beobachter unterschätzen, ist der Einfluss kommunaler Entscheidungen auf die lokale Vogelwelt. Bebauungspläne, Mahd-Zyklen kommunaler Flächen, Pflege der Streuobstwiesen, Beleuchtung an Wegen, all das wird im Gemeinderat entschieden. Wer regelmäßig zu Gemeinderatssitzungen geht, Anträge der NABU-Ortsgruppe begleitet und in der Bürgerfragestunde Punkte einbringt, hat über die Jahre messbaren Einfluss. Das ist mühsam und unspektakulär, aber wirksam.
In Linkenheim-Hochstetten ist die Bereitschaft der Verwaltung, sich auf solche Anliegen einzulassen, nach meiner Erfahrung grundsätzlich da. Es braucht aber konkrete, gut vorbereitete Vorschläge. Pauschale Forderungen verpuffen, präzise Vorschläge mit Karte, geschätzten Kosten und einer NABU-Empfehlung im Hintergrund werden meist sachlich diskutiert.
Bildungsangebote für Kinder
Ein Punkt, der mir persönlich am Herzen liegt, sind Bildungsangebote für Schulkinder. Wer einmal in der zweiten Klasse mit einer Lehrerin einen Vormittag am Rhein verbracht hat, erinnert sich daran sein Leben lang. Solche Angebote macht der NABU oft, aber sie sind unterbesucht, weil Schulen unter Zeitdruck stehen und Lehrkräfte den Anschluss zur Naturkunde nicht immer pflegen.
Wer Kontakte zu Schulen vor Ort hat, kann hier Vermittler sein. Eine konkrete Anfrage an die Schulleitung mit einem fertigen Vorschlag wirkt oft Wunder. Hier müsst ihr nicht selber Lehrer sein, ihr müsst nur die richtige Person mit der richtigen Person verbinden.
Auch nicht aktive Naturschützer einbinden
Nicht jeder hat Zeit oder Lust, sich aktiv zu engagieren, und das ist legitim. Aber jeder kann etwas Kleines beitragen, ohne Mitgliedschaft, ohne Termine. Eine Wasserstelle im Garten. Einmal pro Jahr an einer Zählaktion teilnehmen. Spenden statt nichts. Eine Solidaritätsbekundung im Gespräch mit Nachbarn. Auch das summiert sich.
Ich glaube nicht an Naturschutz, der von einer kleinen Avantgarde getragen wird, während alle anderen zuschauen. Ich glaube an breit verteilte Beiträge in vielen Haushalten, koordiniert durch wenige Aktive. Das skaliert besser, hält länger und ist ehrlich gesagt auch entspannter für alle Beteiligten.
Der Mai ist für mich der wichtigste Beobachtungsmonat im Jahr. Die Brutzeit ist in vollem Gange, die meisten Zugvögel sind zurück, das Laub ist noch hell genug, um die Vögel in den Bäumen zu erkennen, und morgens gibt es ein Konzert, das man Anfang April so noch nicht hat. Wer in Baden-Württemberg lebt und sich für Vögel interessiert, der hat im Mai die mit Abstand besten Karten.
Typische Mai-Szene am Futterhaus, hier rotieren Meisen, Buchfinken und gelegentlich ein Buntspecht.
Was du in den Gärten siehst
Die Klassiker zuerst. Kohlmeise und Blaumeise sind im Mai bei vielen Gartenbesitzern bereits mit der ersten Brut durch oder kurz davor. Ihr seht sie pausenlos Raupen schleppen, das ist das typische Bild. Wenn ihr einen Nistkasten im Garten habt, ist jetzt der Moment, in dem rund um den Eingang die Astgabeln weiß von Vogelkot sind. Das ist normal und ein gutes Zeichen, ihr sollt da jetzt nicht reinigen.
Der Hausspatz, der bei uns in Linkenheim deutlich weniger geworden ist als noch vor zwanzig Jahren, ist im Mai gut zu sehen, weil er gern in kleinen Trupps unter Dachvorsprüngen sitzt. Bei mir hat sich in den letzten Jahren ein kleiner Trupp etabliert, die haben offenbar einen Hohlraum im Dachstuhl gefunden. Störe ich nicht.
Amseln sind im Mai sehr aktiv. Achtet auf die unauffälligen Weibchen, die deutlich brauner als die schwarzen Männchen sind. Wer das nicht weiß, denkt manchmal an eine andere Art. Ist aber dieselbe.
Was du am Rhein siehst
Der Altrhein zwischen Linkenheim und Leopoldshafen ist im Mai ein dankbares Gelände. Graureiher und Silberreiher sind ganzjährig da. Der Eisvogel ist scheu, aber wer Geduld hat und ruhig sitzt, sieht ihn etwa alle dritte oder vierte Tour. Ich habe ihn letzte Woche zwei Minuten lang auf einem überhängenden Ast beobachten können, das war ein gutes Erlebnis.
An den ufernahen Schilfflächen lohnt sich das Lauschen. Im Mai singen Teichrohrsänger und mit Glück ein Sumpfrohrsänger, der das Lautrepertoire anderer Arten imitiert. Da steht man dann fünf Minuten und versucht zu entscheiden, ob man gerade eine Schwalbe, eine Goldammer oder einen Sumpfrohrsänger hört.
Was du in den Streuobstwiesen siehst
Die Streuobstwiesen rund um Hochstetten sind unterschätzt. Der Gartenrotschwanz, dessen Bestand bundesweit unter Druck ist, hat hier vereinzelt noch Reviere. Ich habe ihn dieses Jahr an drei verschiedenen Stellen gehört, eine davon in der Nähe vom Sportplatz. Wer ihn sehen will, kommt frühmorgens, etwa eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang.
Wendehals ist schwieriger. Die Art ist insgesamt selten geworden, ich habe ihn in den letzten fünf Jahren nur zweimal sicher bestimmt, beide Male im Mai. Wer ihn hört, der hört auch sofort, dass das kein Specht ist im klassischen Sinne, sondern ein eher klagender, schneller Ruf.
Tipp zum Anfangen
Wenn ihr neu im Thema seid und nicht wisst, wie ihr starten sollt, dann sucht euch im Mai einen festen Beobachtungspunkt im Garten oder auf dem Balkon. Setzt euch dort zur immer gleichen Zeit fünfzehn Minuten hin, sechs Tage in Folge. Schreibt auf, was ihr seht. Nach einer Woche habt ihr ein Gefühl dafür, welche Arten regelmäßig da sind und welche nur durchziehen. Das ist der erste Schritt, und er ist viel mehr wert als jedes Bestimmungsbuch.
Wenn ihr im Mai etwas in der Region Linkenheim beobachtet habt, was ihr nicht bestimmen könnt, schreibt mir gern. Ich helfe dann, soweit ich kann, und wenn ich nicht weiterweiß, frage ich beim NABU vor Ort nach.
Vergleich zu den Vorjahren
Wenn ich meine Aufzeichnungen aus dem letzten Mai mit diesem Jahr vergleiche, fallen mir drei Sachen auf. Erstens: Die Kohlmeisen sind in meinem Garten klar weniger geworden, ich zähle morgens noch drei statt fünf. Das deckt sich mit Beobachtungen aus dem Umfeld, die ich gehört habe. Zweitens: Die Amselbestände wirken stabil, was nach dem Usutu-Druck der letzten Jahre überrascht und gleichzeitig hoffnungsvoll stimmt. Drittens: Buchfinken sind heuer akustisch viel präsenter als in den drei Vorjahren, vielleicht weil das Frühjahr trockener war und mehr Sing-Phasen offene Vormittage erlaubten.
Solche Jahresvergleiche sind nichts wissenschaftlich Belastbares. Aber sie helfen, eine Region über Jahre persönlich zu verfolgen. Wer langfristig dabei bleibt, sieht Veränderungen, die in einzelnen Sichtungen nicht auffallen. Genau das macht das Beobachtungstagebuch so wertvoll. Es ist nicht das einzelne Datum, sondern die Reihe.
Was an der Ausrüstung im Mai zählt
Im Mai braucht ihr im Prinzip nicht mehr als ein einfaches Fernglas. Ich nehme im Garten gern ein leichtes 8×32, das hängt morgens am Frühstückstisch in greifbarer Nähe. Wenn ich rausfahre Richtung Altrhein, kommt ein 10×42 mit. Ein Spektiv hilft am Rhein durchaus, ist aber nicht zwingend. Wer noch keins hat, muss kein Geld in die Hand nehmen, bevor er sich nicht sicher ist, dass er dabei bleibt.
Was bei mir immer mitkommt: ein kleines Notizheft, ein Bleistift, das aktuelle Bestimmungsbuch und in der Jackentasche eine Kopie der Karte vom NABU-Schutzgebiet, weil ich da regelmäßig die Wege vergesse. Smartphones sind nicht ideal, weil sie im Sonnenlicht schlecht ablesbar sind und unterwegs schnell den Akku verlieren, wenn man ständig schaut. Wenn überhaupt, dann mit Notizen-App im Flugmodus.
Wo es im Mai besonders ruhig ist
Ein Tipp für alle, die in der Hauptbrutzeit nicht ständig auf Joggern und Hunden ausweichen wollen: der Streifen zwischen dem Altrhein und den Feldern westlich von Linkenheim ist morgens vor 7 Uhr fast menschenleer. Eine knappe Stunde dort, ruhig sitzend, ist mehr wert als ein halber Tag am Nachmittag. Das ist gerade im Mai ein massiver Unterschied, weil die Gesangsaktivität in den frühen Stunden ihren Höhepunkt hat und gegen Mittag deutlich abflacht.
Wer noch nie vor Sonnenaufgang draußen war, sollte das im Mai ausprobieren. Es ist keine Tortur, weil die Sonne früh kommt, und ihr habt das Gelände eine ganze Weile für euch allein. Plus: Die Lichtstimmung ist fotografisch dankbar, falls ihr eine Kamera dabei habt.
Wer im Garten anfängt, Vögel zu beobachten, scheitert am Anfang fast immer am gleichen Problem. Es gibt einfach zu viele kleine braune Vögel, die alle irgendwie gleich aussehen. Dieser Beitrag soll euch helfen, die sieben häufigsten Arten in einem typischen süddeutschen Garten zuverlässig auseinander zu halten, ohne dass ihr ein zweihundert Seiten dickes Buch durcharbeiten müsst.
Die sieben Arten, die in vielen Gärten in Baden-Württemberg am häufigsten zu sehen sind.
1. Haussperling, der klassische Spatz
Braungrau, kompakt, mit kräftigem Schnabel. Die Männchen haben einen schwarzen Latz auf der Brust und eine graue Kappe, die Weibchen sind gleichmäßig braungrau. Spatzen leben in kleinen Trupps. Wenn ihr also gleichzeitig fünf bis zehn ähnlich aussehende Vögel seht, die in einer Hecke verschwinden, sind das fast immer Spatzen. Stimme: tschilp tschilp, monoton und laut.
2. Kohlmeise, leicht zu erkennen
Schwarzer Kopf, weiße Wangen, gelbe Brust mit einem schwarzen Längsstreifen, der bei Männchen dicker ist als bei Weibchen. Etwa spatzengroß. Die Kohlmeise ist in fast jedem Garten in Baden-Württemberg zu finden. Stimme im Frühjahr: ein wiederkehrendes zi-da zi-da, das wie eine quietschende Fahrradpumpe klingt.
3. Blaumeise, der kleine Akrobat
Kleiner als die Kohlmeise. Blaue Kappe, weißes Gesicht, gelbe Brust ohne dicken schwarzen Streifen. Hängt oft kopfüber an Ästen, das ist ein gutes Erkennungsmerkmal. Wenn ihr einen kleinen gelben Vogel an einer dünnen Astspitze hängen seht, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Blaumeise.
4. Amsel, der dunkle Klassiker
Männchen tiefschwarz mit gelbem Schnabel und gelbem Augenring. Weibchen braun, leicht gefleckt. Etwa so groß wie eine Singdrossel. Amseln laufen oft am Boden, ziehen Würmer, drehen Laub um. Wenn ihr von einem Baum oder Hausgiebel einen klar gepfiffenen, ruhig vorgetragenen Gesang hört, der wie improvisierte Jazz-Melodien klingt, ist das eine Amsel. Im Garten meistens das fünfte oder sechste, was man als Anfänger lernt, weil sie nicht zu verwechseln sind.
5. Buchfink, oft übersehen
Männchen mit rotbrauner Brust, blaugrauer Kappe, weißen Schulterstreifen. Weibchen unauffällig braungrün, aber die weißen Flügelbinden bleiben erkennbar. Buchfinken sind in Süddeutschland einer der häufigsten Vögel überhaupt, werden aber oft nicht erkannt, weil das Weibchen so unauffällig aussieht. Gesang: eine kurze, schmetternde Strophe, die meistens absteigend endet und im Sommer aus jeder Hecke kommt.
6. Rotkehlchen, eindeutig
Braungrau mit orangerot gefärbter Brust und Kehle, die bis ins Gesicht reicht. Rund, kompakt, etwas kleiner als ein Spatz. Im Garten oft als Einzelgänger, oft am Boden, hopst meistens statt zu laufen. Verwechseln kann man das Rotkehlchen praktisch mit keiner anderen Art in Mitteleuropa. Im Mai singt es sehr melodisch und leise, oft schon vor Sonnenaufgang.
7. Buntspecht, mit Wow-Effekt
Deutlich größer als die anderen sechs Arten. Schwarz-weißes Muster, roter Bauch im Steiß-Bereich, beim Männchen zusätzlich ein roter Fleck am Hinterkopf. Den Buntspecht erkennt man oft schon am Geräusch, bevor man ihn sieht, weil er trommelt oder gegen Holz klopft. Wenn er an einem Baumstamm hochläuft und nach Insekten klopft, ist das ein dankbares Beobachtungsobjekt, weil er sich nicht stören lässt.
Tipp zur Vertiefung
Diese sieben Arten decken in einem normalen Garten etwa achtzig Prozent aller Sichtungen ab. Wer sie sicher kann, hat eine solide Basis. Erst danach lohnt es sich, in die kniffligeren Sachen einzusteigen, also Zilpzalp, Fitis, Singdrossel oder Heckenbraunelle. Aber erstmal die sieben.
Wenn ihr unsicher seid bei einer Sichtung, fotografiert wenn möglich oder beschreibt die Größe im Vergleich zum Spatz, das hilft enorm bei der Bestimmung im Nachgang.
Was die Größe wirklich aussagt
Anfänger versuchen oft zuerst, die Farbe als Hauptmerkmal zu nehmen. Das ist verständlich, weil Farben augenfällig sind, aber sie sind je nach Licht und Tageszeit irreführend. Größe und Silhouette sind viel verlässlicher. Wenn ihr euch angewöhnt, jeden gesichteten Vogel zuerst nach seiner Größe relativ zum Spatz zu sortieren und dann nach Schwanz- und Kopfform, kommt ihr meistens schon weit, bevor ihr überhaupt auf die Farbe schaut.
Konkret: Spatzengroß heißt etwa 14 bis 15 Zentimeter Körperlänge. Kohlmeise ist minimal größer, Blaumeise spürbar kleiner. Amsel und Singdrossel sind beide deutlich größer als ein Spatz. Buntspecht ist nochmal massiver. Wer das ein paar Tage übt, hat ein Gefühl entwickelt, das im Feld blitzschnell funktioniert.
Häufige Verwechslungen
Eine der häufigsten Verwechslungen ist die zwischen weiblichem Hausspatz und weiblichem Buchfink. Beide braungrau, beide etwa gleich groß. Der Unterschied liegt im Kopf: Spatz hat einen kräftigeren, dunkleren Schnabel und eine eher runde Silhouette. Buchfinkenweibchen ist schlanker und hat oben weiße Flügelbinden, die schon im Vorbeiflug sichtbar sind.
Auch Kohlmeise und Blaumeise werden bei flüchtigen Sichtungen verwechselt. Hier hilft die Brust: schwarzer Längsstreifen heißt Kohlmeise, ohne Streifen heißt Blaumeise. Die blaue Kappe der Blaumeise ist im schattigen Geäst nicht immer eindeutig zu sehen.
Wie ihr das Üben am besten organisiert
Ich empfehle Anfängern, sich für die ersten zwei Wochen nicht zu viel vorzunehmen. Erst Spatz, Kohlmeise und Blaumeise sicher kennen. Dann Amsel und Rotkehlchen dazunehmen. Dann Buchfink und Buntspecht. Wer alle sieben innerhalb von zwei bis drei Monaten sicher hat, ist auf einem sehr ordentlichen Niveau angekommen. Das danach ist Genuss, nicht Pflicht.
Gute Übungs-Apps gibt es vom NABU und vom LBV kostenlos. Ich nutze sie selten, weil ich die Rufe lieber in der Realität abgleiche, aber für den Einstieg sind sie gut. Wer lieber Bücher mag, dem empfehle ich den klassischen Svensson, der mittlerweile in mehreren Auflagen vorliegt und in jedem ordentlichen Buchladen verfügbar ist.
Ich werde immer wieder gefragt, was es im alten Vogelpark Linkenheim eigentlich genau gab. Viele kennen den Park nur noch vom Hörensagen, andere haben ihn als Kind besucht und erinnern sich vage. Dieser Beitrag ist ein Versuch, das auf Grundlage meiner eigenen Erinnerung und ein paar alter Notizen zusammenzufassen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn ihr Erinnerungen ergänzen könnt, schreibt mir gern.
Aus der Erinnerung gezeichnet: typisches Bild aus dem Sittich-Bereich, wie ich ihn aus den 90ern in Erinnerung habe.
Lage und Atmosphäre
Der Park lag an einem ruhigen Wegrand am nördlichen Ortsrand von Linkenheim. Wer ihn nicht kannte, fand ihn nicht. Es gab ein schlichtes Holztor, eine kleine Kasse, dahinter ein etwa zwei Hektar großes Gelände mit Baumbestand, Wegen, Sitzbänken und einer Reihe von Volieren. Eintritt war symbolisch, in den Neunzigern noch eine D-Mark, später glaube ich zwei Euro. Es ging nie ums Geld.
Was den Park ausmachte, war die Mischung aus Hobby und Ernsthaftigkeit. Es war kein Zoo, sondern ein Liebhaberprojekt mit ehrenamtlichen Pflegern, die alle aus dem Ort kamen. Die Anlagen waren überschaubar, aber sauber. Die Vögel hatten Platz, soweit das in einer Voliere möglich ist. Man hat gemerkt, dass die Leute, die sich kümmerten, das aus Überzeugung taten.
Was es zu sehen gab
Der Schwerpunkt lag auf Ziervögeln, weniger auf Wildvogelhaltung. Es gab eine große Sittich-Voliere mit Wellensittichen in allen Farben, daneben eine zweite mit Nymphensittichen. Beide waren bei Familien mit Kindern die beliebteste Station, weil die Vögel zutraulich waren und gelegentlich auch auf den Finger flogen, wenn man Glück hatte.
Daneben gab es einen Bereich mit verschiedenen Finken- und Kanarienvogel-Arten, eine kleinere Voliere mit Zwergwachteln am Boden, und am Rand eine Anlage mit einem Pfauenpaar, dessen Männchen jedes Jahr im Mai sein Rad geschlagen hat, was Generationen von Kindern beeindruckt hat. Mehrere Anlagen waren begehbar, das heißt die Besucher gingen durch eine Schleuse direkt zu den Vögeln, was für die damalige Zeit ungewöhnlich war.
Eulen waren in einer eigenen kleinen Anlage untergebracht, soweit ich mich erinnere, überwiegend Steinkäuze und ein Waldkauz. Greifvögel gab es im Park nicht.
Das Drumherum
Es gab einen kleinen Kiosk, an dem Kaffee und Kuchen ausgegeben wurde, ehrenamtlich betrieben. Am Wochenende stand dort meistens eine ältere Dame, die jeden Gast persönlich begrüßte. Spielplatz gab es nicht, dafür eine Wiese, auf der Familien picknicken konnten. Die Stimmung war familiär im wortwörtlichen Sinne. Man hat sich gekannt, man hat sich begrüßt.
Zweimal im Jahr gab es ein kleines Sommerfest, bei dem zusätzlich Bratwürste verkauft wurden und ein Verein vom Ort für Musik gesorgt hat. Auch das war kein Spektakel, sondern Dorfformat. Genau das hat das Ganze für mich so wertvoll gemacht.
Warum es nicht mehr gibt
Die Schließung kam nicht überraschend, aber sie war trotzdem traurig. Die Generation der Ehrenamtlichen, die den Park über Jahrzehnte getragen hat, ist älter geworden. Nachwuchs fehlte. Die rechtlichen Anforderungen an die Tierhaltung sind über die Jahre verständlicherweise gestiegen, und irgendwann war absehbar, dass das ehrenamtliche Modell die Vorgaben nicht mehr stemmen würde. 2021 wurde der Betrieb schließlich eingestellt, die verbleibenden Tiere wurden in Zuchtanlagen und private Halter abgegeben. Das wurde damals lokal kurz erwähnt, aber nie groß dokumentiert.
Heute ist das Gelände weitgehend zurückgebaut. Reste der Volieren sieht man noch, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Das Gras hat sich vieles zurückgeholt, und ironischerweise leben heute wieder mehr Wildvögel auf dem Areal als zu Park-Zeiten, weil die Anlage verwildert.
Erinnerungen sammeln
Wenn ihr selber Erinnerungen an den Park habt, gerne auch alte Fotos, dann meldet euch. Ich würde solche Beiträge gern hier sammeln, mit Namensnennung wenn ihr wollt, anonym wenn nicht. Es wäre schade, wenn das alles verschwindet.
Geschichten am Rand
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind nicht die spektakulären Voliere-Bewohner, sondern die kleinen Geschichten am Rand. Es gab einen Wellensittich, der jahrelang als einziger blauer in einer ansonsten grünen Gruppe lebte und immer im selben Eck der Voliere saß. Generationen von Kindern haben ihn als ihren Lieblingsvogel ausgesucht. Der Pfleger erzählte mir einmal, dass das Tier ungewöhnlich alt geworden sei, weit über zehn Jahre, was für einen Wellensittich beachtlich ist.
Oder die alte Dame am Kiosk, deren Name mir gerade nicht einfällt, die jedem Stammgast den richtigen Kaffee gemacht hat, ohne zu fragen. Sie führte über jeden Besucher Buch in einem kleinen Heft, schwarzgrau, abgegriffen. Ich weiß nicht, ob das Heft noch irgendwo existiert. Wäre ein kleines Stück Ortsgeschichte.
Was vom Gelände heute noch zu sehen ist
Wer heute durch das ehemalige Park-Gelände läuft, sieht auf den ersten Blick nur Wildwuchs. Die ehemaligen Wege sind zugewachsen, die meisten Anlagen wurden komplett abgebaut. Was bleibt, sind ein paar Fundamente, ein paar verbogene Drahtreste und eine alte Tür, die noch aufrecht zwischen zwei Bäumen steht, weil niemand sie weggeholt hat. Ein bisschen Mahnmal-Stimmung, ein bisschen Friedhof.
Es gab Überlegungen aus dem Ort, an einer der ehemaligen Voliere-Stellen eine Gedenktafel anzubringen. Daraus ist nichts geworden, soweit ich weiß. Vielleicht ist das auch besser so. Manche Erinnerungen werden lebendig gehalten, wenn man sie nicht in Bronze gießt, sondern weitererzählt.
Was der Park für die Region bedeutet hat
Im Rückblick wird mir klar, dass der Park für viele Kinder der Region die erste Begegnung mit lebendigen Vögeln in nicht-zoologischem Setting war. Das ist heute kaum vorstellbar, in einer Zeit, in der jeder das nächste Tiermotiv per Smartphone hat. Aber Mitte der 90er Jahre, mit Eltern, die wenig Geld für Tagesausflüge hatten, war ein nachmittäglicher Park-Besuch ein veritables Erlebnis. Für viele meiner Generation lokale Identität.
Wenn ich heute mit Bekannten aus Linkenheim spreche, kommen die Park-Erinnerungen oft als erstes, wenn Vogelthemen aufkommen. Das ist erstaunlich beständig. Eine Institution, die nicht mehr existiert, prägt weiter Gespräche und Erinnerungslandschaft. Das ist eine Form von Nachleben, die der Park sich verdient hat.
Es gibt unzählige Tipps, wie man Vögel im eigenen Garten fördern kann, und vieles davon ist gut gemeint, aber nicht besonders wirksam. Ich habe in den letzten Jahren ausprobiert und beobachtet, was tatsächlich einen Unterschied macht. Hier sind fünf Maßnahmen, die wirklich helfen, und zwar auch wenn der Garten klein ist.
Vogeltränke aus Tonschale, Insektenhotel und Wiesenstreifen, mehr braucht es eigentlich nicht.
1. Wasser bereitstellen, ganzjährig
Das ist die effektivste Einzelmaßnahme. Eine flache Tonschale mit sauberem Wasser, etwa zwei bis drei Zentimeter tief, mit einem Stein in der Mitte als Landeplatz. Im Sommer wird das im Halbschatten aufgestellt, täglich gewechselt. Im Winter hilft ein Eisfreihalter aus dem Aquaristik-Bedarf, sehr günstig zu bekommen. Wer eine Vogeltränke aufstellt, hat innerhalb von wenigen Tagen mehr Vögel im Garten. Das ist garantiert. Wasser ist in den Sommermonaten der knappste Faktor, vor allem in trockenen Jahren wie 2022 oder 2023.
2. Wildwuchs zulassen, mindestens eine Ecke
Eine Ecke im Garten, die nicht gemäht und nicht gepflegt wird, bringt mehr für die Vogelwelt als jeder gekaufte Nistkasten. Brennnessel, Disteln, wilde Gras-Ecken sind Lebensraum für Insekten, und Insekten sind die Hauptnahrung für die meisten Sing-Vogel-Bruten. Ein steriler englischer Rasen ist für Vögel eine Wüste. Eine Wildecke von vielleicht vier Quadratmetern macht spürbar einen Unterschied. Ich habe in meinem Garten so eine Ecke seit über zehn Jahren, und der Insektenbestand dort hat sich bemerkbar gehalten, obwohl ringsherum vieles weniger geworden ist.
3. Heimische Hecken statt Thuja
Wenn ihr eine Hecke neu pflanzt oder erneuert, dann nehmt heimische Arten wie Weißdorn, Schlehe, Holunder, Pfaffenhütchen oder Hainbuche. Thuja und Kirschlorbeer sind für Vögel wertlos, sie bieten kaum Nahrung und nur eingeschränkten Schutz. Eine heimische Mischhecke ist Brutplatz und Speisekammer in einem. Die Umstellung dauert ein paar Jahre, aber nach drei bis vier Saisons sieht man den Unterschied im Vogelbestand. Bei mir war das nach der Umpflanzung 2018 deutlich spürbar.
4. Nistkästen korrekt aufhängen
Nistkästen helfen, aber nur wenn sie richtig aufgehängt sind. Das heißt: Einflugloch nach Osten oder Südosten, also weg von Wetter aus Westen. Höhe etwa zwei bis vier Meter über dem Boden. Keine Sitzstange vor dem Einflug, weil das Beutegreifern hilft. Im Winter einmal säubern, sonst in Ruhe lassen. Bei drei bis vier Kästen in einem normalen Garten habt ihr gute Chancen, dass mindestens zwei besetzt werden. Wer es genauer wissen will, schaut bei der NABU-Seite vorbei, da sind die Lochgrößen je nach Zielart aufgelistet.
5. Im Spätwinter und Vorfrühjahr füttern
Das ist die kontroverseste Empfehlung, und ich hatte selbst lange Vorbehalte. Heute füttere ich, aber gezielt. Hauptfutter ab Mitte Dezember bis Ende März, weil dann die natürlichen Ressourcen am knappsten sind. Im Mai und Juni eher zurückhaltend, weil die Jungvögel auf Insekten angewiesen sind, nicht auf Sonnenblumenkerne. Wer ganzjährig füttert, schadet eher als zu helfen. Saubere Futterstellen sind wichtig, sonst werden Krankheiten verbreitet. Lieber eine Futterstation, die alle paar Tage wirklich sauber gemacht wird, als drei, die schimmeln.
Was am Anfang zählt
Wenn ihr neu in das Thema einsteigt und nicht alles gleichzeitig angehen könnt, dann fangt mit der Wasserstelle an. Das ist das Ding, was am schnellsten Wirkung zeigt, am wenigsten kostet und am wenigsten Aufwand macht. Alles andere kann über die nächsten Jahre dazu kommen.
Wer mehr über das Thema lesen will, schaut auch in den Folgebeitrag zum Naturschutz vor der Haustür. Da geht es weniger um den eigenen Garten und mehr um das, was wir als Gemeinde tun können.
Was viele übersehen: Vertikale Strukturen
Ein Faktor, den viele Garten-Bücher nicht stark genug betonen, ist die vertikale Schichtung. Vögel nutzen unterschiedliche Höhen: Bodenbrüter wie Zaunkönig sind ganz unten, Heckenbrüter wie Dorngrasmücke in mittlerer Höhe, und Höhlenbrüter wie Kohlmeise oder Star höher oder in Baumstämmen. Wer einen Garten hat, in dem alles ungefähr auf gleicher Höhe wächst, bietet nur einen Teil der möglichen Nischen an. Ein paar Hochstammbäume, eine Etage darunter Sträucher und Hecken, am Boden eine Ecke mit Hochstauden, das ist die Grundausstattung, die mehrere Arten gleichzeitig anzieht.
Wenn euer Garten gerade flächig dasteht, lohnt es sich, einmal mit dem Stift in der Hand eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Höhen zu machen. Manchmal reicht ein einziger zusätzlicher Hochstamm oder eine zweite Strauchschicht, um spürbar mehr Arten anzuziehen.
Was an Geräten nicht hilft
Es gibt im Handel viele Geräte, die als Vogelfreundlich verkauft werden, aber wenig Wirkung haben. Plastik-Vogeltränken, die in der Sonne verspröden, sind eine schlechte Investition. Bunte Plastikvogelhäuser ohne Belüftung verursachen Hitzestau im Sommer. Klingel-Mobilés und ähnliches sind reine Deko. Ich habe mir in meiner Anfangszeit auch ein paar Dinge gekauft, die ich heute nicht mehr empfehlen würde.
Was wirklich hilft, ist meistens unspektakulär: Naturmaterialien, Holz, Ton, gerne handgemacht oder vom NABU-Shop. Was billig aussieht und auch in der Wirkung billig ist, sollte man lieber stehenlassen.
Geduld als wichtigster Faktor
Eine Maßnahme braucht meistens ein bis zwei Brutsaisons, bis sie sich auswirkt. Wer im April einen Nistkasten aufhängt und im Mai erwartet, dass dieser besetzt wird, wird wahrscheinlich enttäuscht. Der Boden muss erstmal angenommen werden, die Voliere muss sich in das Revier eines Vogelpaars schieben, das passende Tier muss in der Saison überhaupt einen freien Brutplatz suchen.
Das gilt auch für Hecken, Wildwuchs-Ecken und Wasserstellen. Erst nach zwei bis drei Jahren stabilisieren sich die Besuchsmuster. Dann aber bleibt es lange erhalten, wenn ihr nicht wieder alles umpflanzt. Geduld ist hier wirklich der Schlüssel.